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Leicht verständlich und zur Primetime

Gottesdienste in Leichter Sprache in der Frankfurter Liebfrauenkirche
Leicht verständlich und zur Primetime
Leicht verständlich und zur Primetime
Pater Stefan Maria Huppertz feiert Gottesdienste in Leichter Sprache. © Lêmrich/ Bearbeitung F. Schuld/Bistum Limburg

Mindestens einmal im Monat gibt es in der Frankfurter Liebfrauenkirche einen Gottesdienst in Leichter Sprache. Und zwar sonntags um 11 Uhr – zur Primetime. Die Idee haben Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam entwickelt. Ein Ziel ist es, die Gottesdienste in Zukunft auch zu streamen, um so noch mehr Menschen im ganzen Sprachraum zu erreichen. Pater Stefan Maria Huppertz, Kapuziner und Rektor der Liebfrauenkirche, steht den Gottesdiensten vor.

Lieber Pater Stefan Maria, warum bieten Sie Gottesdienste in Leichter Sprache an?

Communio – Gemeinschaft ist ein wesentlicher Aspekt des Gottesdienstes. Leichte Sprache will es möglichst vielen Menschen erleichtern, teilzuhaben und sich selbst als Teil des Gottesdienstes zu erfahren.

Leichte Sprache will das Grundsätzliche deutlich machen. Das darf nicht mit banalisieren verwechselt werden. Leichte Sprache arbeitet in kurzen Sätzen den Kern heraus, sie verzichtet auf Bildworte und Negationen. Im Tagesgebet und den anderen Präsidialgebeten genügt es oft schon, manches Komma durch einen Punkt zu ersetzen.

Was bedeutet es für Sie persönlich, einen Gottesdienst in Leichter Sprache zu halten?

Persönlich bedeutet das für mich, auf Spiel mit der Sprache zu verzichten. Ich spiele sonst gern mit der Sprache, weil es mir Freude macht und so unglaublich einfallsreich und intelligent wirkt

Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen, Gottesdienste dieser Art anzubieten?

Es gab Ehrenamtliche, die darüber enttäuscht waren, dass wir in Liebfrauen keine Familienmessen mehr anbieten wollten. Dafür gibt es in unserer Pfarrei schon mehrere profilierte Orte. Im gemeinsamen Überlegen kamen wir dann auf das Format „Gottesdienst in Leichter Sprache“. Das knüpft an die lebendige Tradition von inkludierenden Messfeiern in der Liebfrauenkirche an. Der Verein Lukas 14 gestaltet mehrmals im Jahr Sonntagsmessen mit Gebärdenchor und Gebärdenübersetzer in unserer Kirche mitten in der Stadt.

Welche Menschen werden damit angesprochen? Welches „Publikum“ haben Sie?

Die Rückmeldungen zeigen, dass sich viele Menschen durch die Leichte Sprache angesprochen fühlen, weil der Kern von Texten, Gebeten und der Predigt besonders eingehend und sauber herausgearbeitet werden muss. Vor Augen haben wir natürlich Menschen, für die unsere „normale“ Sprache ein echtes Hindernis und Ausschlusskriterium darstellt: Kinder, Menschen mit Behinderung, Schwestern und Brüder, die in der deutschen Sprache und in der „Kirchensprache“ nicht ganz zuhause sind.

Was sind die Herausforderungen bei diesen Gottesdiensten?

Herausfordernd ist es, auch im freien Sprechen bei den Regeln der leichten Sprache zu bleiben. Drei-Wort und Vier-Wort-Sätze haben tatsächlich einen Fremdsprachencharakter. Das erfordert eine gewisse Disziplin und ein hohes Maß an Konzentration.

Es ist also wenig spontan?

In Leichter Sprache frei zu predigen ist schwierig, da habe ich ein paar Anläufe gebraucht. Wir machen die Gottesdienste seit Januar, im April habe ich mich das erste Mal getraut, auch etwas freier zu sprechen.

Die Sprache in der Liturgie ist ja durchaus komplex. Nicht alles ist einfach verständlich. Gibt es Elemente, die komplett ersetzt werden?

Die Evangelien liegen bereits in Leichte Sprache übersetzt vor. Die Lesungen zu übertragen, ist dann jeweils echte Handarbeit. Das Hochgebet ist eine Fassung „ad experimentum“ und besteht aus Teilen des II. Hochgebets und dem approbierten Hochgebet für Messen mit Gehörlosen. Beispielsweise wird „Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus“ zu „Sende deinen Geist über Brot und Wein. Der Geist macht Brot und Wein heilig. So wird das Brot zum Leib Christi. So wird der Wein zum Blut Christi.“

Aber es gibt auch Textteile, die unverhandelbar sind und so bleiben, wie zum Beispiel der Passus: „Nehmt und esst alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“

Auch die Musik spielt in den Gottesdiensten eine zentrale Rolle. Ich denke da an das Gloria oder auch das Sanctus. Wie gehen Sie damit um? Ist die Musik auch in Leichter Sprache?

In der Musik achtet unser Team auf einfache Kanons und verständliche Lieder. Bei unserer ersten Messe in leichter Sprache folgte auf die Einführung in den Gottesdienst und ein paar Hinweisen zur leichten Sprache das Kyrie in griechischer und das Gloria in lateinischer Sprache. Da musste ich hinter der Maske etwas lachen… Das haben wir jetzt aber gut angepasst.

 

Die nächsten Gottesdienste in Leichter Sprache sind am 30. Mai und am 27. Juni geplant. Alle Interessierten können sich telefonisch unter 069 297 296 0 oder online unter www.liebfrauen.net anmelden.

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Bistum Limburg

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