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Impulsgeber von unschätzbarem Wert
Impulsgeber von unschätzbarem Wert
Bischof Georg Bätzing (mitte unten) feierte mit zahlreichen Bischöfen und vielen Ordenspriestern der Pallottiner einen festlichen Gottesdienst. Foto: clm/Bistum Limburg.

Impulsgeber von unschätzbarem Wert

Pallottiner feiern ihr 125-jähriges Bestehen in Deutschland

LIMBURG - Anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens in Deutschland hat Bischof Georg Bätzing den Pallottinern für ihren engagierten Einsatz zur Ausbreitung des Evangeliums gedankt. "Wir freuen uns wirklich an einer Bewegung, die vor 125 Jahren begonnen hat und uns bis heute Beine macht, für die Ausbreitung des Evangeliums zu arbeiten", sagte der Limburger Bischof die Gemeinschaft in einem Festgottesdienst am Samstag, 28. Oktober, in der Pallottiner-Kirche St. Marien in Limburg. Von Limburg aus sei über Deutschland und weltweit ein Netzwerk gespannt worden, das seinesgleichen suche. "Das junge Bistum Limburg gewann deutschlandweit einen Namen und für die kleine Bischofsstadt einen geistlichen Impulsgeber von unschätzbaren Wert bis heute", betonte Bätzing. Limburg werde Dank der Pallottiner in Teilen der Weltkirche von Kamerun über Südafrika, Indien, Lateinamerika und andere Länder mit einer starken Missionsbewegung verbunden. Neben dem Limburger Weihbischof Thomas Löhr und Generalvikar Wolfgang Rösch feierten auch der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters sowie der Paderborner Weihbischof Dominicus Meier den Festgottesdienst mit.

Charisma der Pallottiner passt in die Zeit

Trotz der Schließung von Niederlassungen in den vergangenen Jahren und weniger Nachwuchs habe das Charisma der Pallottiner laut dem Limburger Bischof nichts an Aktualität und Bedeutung für die Kirche verloren. "Das pallottinische Charisma passt so gut zu unserer Zeit und ihren besonderen Erfordernissen für eine neue Evangelisierung, dass man nur staunen kann", sagte Bätzing. "Dieses Charisma kann einen Perspektivenwechsel und einen Kulturwandel in unserer Kirche befördern helfen." Es zeige den Weg von einem selbstbezogenen kirchlichen Denken hin zu einer selbstlos denkenden Kirche, die aus der Freude über Gott und seinem Evangelium den Menschen diene.

Vinzenz Pallotti habe der von ihm gegründeten Bewegung für die damalige Zeit fast revolutionäre Leitlinien gegeben. Neben einer positiven Einstellung zu Welt und Zeit, Gott immer und überall zu suchen und zu finden, habe er besonders das Laienengagement gefördert. Für Pallotti seien alle Getaufte Teil einer großen Gemeinschaft. Nur im Miteinander vieler könne der Glaube lebendig werden. "Gebunden zusammenspielen. Das könnte Leitmotiv eines pallottinisch motivierten Aufbruchs in der Kirche sein. Für mich ist es eine Kurzfassung dessen, was die deutschen Bischöfe in ihrer Vision vom ,Gemeinsam Kirche sein' als Zukunftsbild beschrieben haben", sagte Bätzing.

Kirche ist Miteinander von Begeisterten

Dass Kirche ein Miteinander von Begeisterten ist, die aus dem Vertrauen zu Gott leben, betonte Professor Paul Rheinbay in seinem Festvortrag. Vinzenz Pallotti sei es nicht um Strukturen gegangen. "Ihm ging es um Leben in der Kirche, um ein gegenseitiges ,einander motivieren', um Seelsorge im weiten und besten Sinne des Wortes", sagte der Theologe, der an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar lehrt. "Wer auch immer diesen Geist in sich trug, mit dem wollte er zusammen arbeiten."

Heute seien Christen eingeladen, Resonanzräume zu schaffen, in denen andere Menschen Sinn erfahren und eine Antwort auf das Beziehungsangebot Gottes geben könnten. "Wer sich auf ihn einlässt, muss mit Überraschungen zu leben lernen. Wenn wir miteinander als Kirche in die Zukunft gehen, sollten wir den Geschmack von Offenheit und Weite nicht verlieren", mahnte Rheinbay. Er erinnerte dabei auch an die Geschichte seiner Gemeinschaft: "Niemand hätte voraussagen können, was in 125 Jahren alles geschieht, wie sich das römische Samenkorn in deutscher Erde entwickelt.". Niemand könne außerdem voraussagen, was in den nächsten 125 Jahren geschehen wird, wen es dann gibt und was daraus geworden ist. Es gelte heute im Gottvertrauen miteinander zu feiern und dabei in Dankbarkeit auf das zu blicken, was bis heute möglich geworden ist oder wo sich unverhofft Türen geöffnet hätten.(clm)

Hintergrund:

Die Pallottiner in Deutschland Die Gesellschaft des katholischen Apostolats (SAC = Societas Apostolatus Catholici), bekannt als "Pallottiner", wurde durch von Vinzenz Pallotti (1795 bis 1850) gegründet. Deutsche, die sich in Italien den Pallottinern angeschlossen hatten, trugen Pallottis Botschaft in die ganze Welt. 1892 eröffnete die Gemeinschaft im Walderdorffer Hof in Limburg ihre erste Niederlassung in Deutschland. Seit 1895 wird die Gemeinschaft von deutschen Pallottinerinnen in Rom unterstützt. Im Februar 1898 wird das neue Missionshaus in Limburg eingeweiht. Die Gemeinschaft wächst stark. Von Limburg brechen mehrere Hundert Missionare in alle Welt auf. Sie gründen Niederlassungen in Argentinien, Australien, Brasilien, Indien, Kamerun, Kanada, Kroatien, Malawi, Nigeria, Österreich, Polen, Schweiz, Spanien, Südafrika und Tschechien.

Heute wirken etwa 2.500 Pallottiner weltweit. Vor zehn Jahren vereinigten sich die Pallottiner in Deutschland und Österreich zur Herz-Jesu-Provinz mit Sitz in Friedberg bei Augsburg. Heute bezeichnet der Orden die Förderung des Laienengagements als seine Hauptaufgabe. Die Pallottiner übernehmen Aufgaben in der Seelsorge. Sie betreuen Pfarreien und unterhalten im deutschsprachigen Raum etwa 50 Einrichtungen wie Jugend-, Bildungs- und Exerzitienhäuser.