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Heilende Gemeinschaften beim Tag der Orden

Heilende Gemeinschaften beim Tag der Orden
Heilende Gemeinschaften beim Tag der Orden
© Bistum Limburg

Julius wird sterben

LIMBURG - Mehr als 200 Ordensleute aus dem gesamten Bistumsgebiet haben beim Tag der Orden in der Kreuzwoche am Freitag, 16. September, in der Limburger Stadthalle gebannt den Impulsreferaten von Schwester Dr. Maria Goetzens gelauscht. Die 57-jährige Ärztin und Missionsärztliche Schwester leitet seit 1997 die Elisabeth-Straßenambulanz in Frankfurt. In einem feierlichen Gottesdienst in der Stadtkirche spendete Domkapitular Wolfgang Rösch den Segen mit der Kreuzreliquie.

Von der Erfahrung auf der Straße

Goetzens ging der Frage nach, was christliche Orden als "Heilende Gemeinschaften" ausmacht und wie sie Zeugnis von der Gegenwart Gottes geben. Dabei griff sie auf ihre Erfahrung aus dem Leben in der Gemeinschaft und ihre Erfahrung als Ärztin in der Frankfurter Obdachlosen-Hilfe zurück. Gemeinschaft definierte sie anhand des Korinther-Briefes: "Und wenn ein Körperteil leidet, leiden alle anderen mit; wenn ein Körperteil geehrt wird, freuen sich alle anderen mit. Ihr seid aber der Leib Christi und einzeln genommen, Angehörige Christi!"

So berichtet Goetzens von einem Obdachlosen, der an schwerer Alkoholsucht leidet und dessen Zustand sich trotz aller Fürsorge und Behandlung immer verschlechtert: "Julius' Zustand verschlechtert sich zusehends. Ein wirkliches Ende dieser Kaskade "nach unten" ist nicht absehbar, denn: offiziell hat Julius keine Ansprüche auf Sozialleistungen." Somit - und aufgrund seiner Suchterkrankung - könne er keiner Arbeit nachgehen, keine Wohnung finanzieren. "Julius, einer derer, die auf Frankfurts Straßen nicht nur verelenden, sondern in nicht allzu ferner Zukunft eines Tages auch sterben wird."

Werke statt Worte

Gerade die Arbeit mit dem Elend sei es, die ein "Echo im Herzen" hinterlasse, den Blick schärfe für das Wesentliche und Demut erzeuge. Dies sei die Nachfolge Jesu: "Wo finde ich denn Gott, wenn nicht dort, wo mich die Spur Jesus, des verwundeten Heilers, hinführt? Ihm, der Gottes bedingungslose Liebe zu allen Geschöpfen verkündet." "Immer dann, wenn es mir gelingt, mich so schlicht an das Leben hinzugeben, wie es nun einmal ist, bin ich neu in die Freiheit gestellt, die Perspektive Gottes einzunehmen, der Widersprüche nebeneinander aushält und nicht auflöst. Das Hören auf seine Stimme, die von Leben spricht auch mitten im Tod", so Goetzens.

So lebten Ordensgemeinschaften als "heilende Gemeinschaften" die Hoffnung und lernten diese Hoffnung immer wieder neu kennen: Wenn ein Patient nach der Behandlung mit Blumen erscheine, die Sozialarbeiterin einer großen Klinik sich ungefragt für die kostenlose Behandlung eines Obdachlosen einsetze oder eine junge Studentin nach dem Praktikumseinsatz bei der Straßenambulanz feststellte, dass ihr Blick auf Menschen in Not sich geschärft habe.

Abschließend hielt Goetzens fest: "Heilende Gemeinschaft leben - in einer verwundeten Welt bedeutet für mich letztlich nichts anderes als mich als geliebtes Geschöpf Gottes erkennen und von dieser bedingungslosen Liebe Gottes zu künden - weniger durch Worte denn durch Werke der Barmherzigkeit und im Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden." (hm)